Lernen im Cluster  die Schule der Zukunft
a+r Architekten realisieren in Kirchheim unter Teck fr 850 Schlerinnen und Schler einen modernen, nachhaltigen Schulcampus. Wegweisend ist auch der Einsatz von Recyclingbeton.



Die Schullandschaft in Deutschland ist seit einigen Jahren im Wandel. Zum einen sinken die Schlerzahlen, zum anderen entwickeln sich die pdagogischen Konzepte weiter. Auch die Stadt Kirchheim unter Teck, etwa 25 Kilometer sdstlich von Stuttgart gelegen, reagiert mit dem neuen Schulcampus Rauner auf die sich ndernden Rahmenbedingungen. Fr rund 850 Schlerinnen und Schler hat sie zusammen mit a+r Architekten eine moderne Cluster-Schule entwickelt, die fr ideale Lernbedingungen sorgen soll. Bautechnisch und aus nachhaltiger Sicht punkten die klar und stringent entworfenen Neubauten mit einem konsequenten Einsatz von Recyclingbeton. Der R-Beton Made in Kirchheim/Teck wurde sowohl fr den Rohbau als auch fr die Sichtbetonwnde und -decken verwendet  die optisch konventionellen Lsungen in nichts nachstehen.
In drei Bauabschnitten wird der neue Campus Rauner, das grte Bauprojekt Kirchheim/Tecks der jngeren Stadtgeschichte verwirklicht. Die bisherige Grund-und Werkrealschule Rauner aus den 1960er-Jahren wurde dafr zum Groteil abgerissen. Im ersten Bauabschnitt wurde 2016 bis 2017 das Lernhaus 1 anstelle der ehemaligen Turnhalle errichtet. Es nimmt die neu entwickelte zwei- bis dreizgige Rauner Gemeinschaftsschule auf. In das Lernhaus 2, das im September 2020 in Betrieb genommen wurde, ist die Teck-Realschule mit 18 Lern- und 14 gemeinschaftlich genutzten Fachrumen eingezogen. Bis zum Herbst 2021 werden nun im letzten Bauabschnitt und im laufenden Betrieb die verbliebenen Bestandsbauten saniert. Hier kommen auf drei Etagen Mensa, Bewegungs- und Aufenthaltsbereiche fr die Ganztagsbetreuung unter, erzhlt Architekt Daniel Raiser, der fr a+r Architekten mit Sitz in Stuttgart und Tbingen das Projekt leitet. Das Raumkonzept des Schulcampus zeichnet sich durch eine hohe rumliche Flexibilitt aus, die auf zuknftige Schulentwicklungen reagieren kann.
Zeitgeme Cluster-Schule fr Kirchheim/Teck
Der Campus Rauner soll ein Ort fr selbstorganisiertes Lernen und Miteinander sein, denn Lernprozesse werden individueller, inklusiver und es findet ein Wandel von der Halbtags- zur Ganztagsschule statt. Schule wird zu einem Ort des aktiven Lernens und Miteinanders fr Schlerinnen und Schler sowie der Lehrkrfte. Dieser Wandel erfordert die Abkehr von der klassischen Schularchitektur mit Frontalunterricht hin zur Organisationsform Cluster, welche eine pdagogische Flexibilitt beim Wechsel der Lernformen gestattet und rumliche Synergien schafft.
Beim Campus Rauner ermglichen die Lerncluster eine flexible Aufteilung inunterschiedlich groe Jahrgangsgruppierungen, erklrt Raiser das Grundkonzept. Die grozgig gestalteten Flure knnen dabei als multifunktionale Lernzonen mitgenutzt und frei mbliert werden. Zwischen die unterschiedlich ausgestatteten Lern- und Kursrume hat a+r Architekten immer wieder kleinere sogenannte Differenzierungsrume fr individuelle Unterrichtsformen angeordnet.
Stringente Architektursprache
Wir haben die Gesamtkubatur des Campus in mehrere Gebudeteile aufgegliedert, um so besser die Grenverhltnisse der benachbarten Wohnbebauung aufnehmen zu knnen, erklrt Daniel Raiser die architektonische Idee. Die Gebudestruktur haben wir in Stahlbetonskelettbauweise mit tragenden Sttzen und leichten Trennwnden ausgefhrt, so kann die Schule auf sptere Vernderungswnsche reagieren. Die beiden jeweils dreigeschossigen Lernhuser sind ber ein einladendes und grozgiges Foyer miteinander verbunden. Die Architekten haben es so geplant, dass es von beiden Schulen des Campus auch fr Veranstaltungen, wie etwa Theaterauffhrungen genutzt werden kann. Fr gute Nutzungsbedingungen sorgt im Foyer mit seinem zweigeschossigen Luft- und Galerieraum eine raumakustisch wirksame und hochwertige Holzverkleidung der Decke.
a+r Architekten haben grundstzlich sehr reduziert mit Farbe und Material im Innenraum gearbeitet. Wo mglich, haben die Planer die Oberflchen natrlich belassen, wie die Sichtbetonwnde und -decken, die Tren aus Eichenholz und die wei lasierten Nadelholzprofile der Holz-Alufenster zeigen. Einzig der brombeerfarbene Fubodenbelag aus langlebigem Kautschuk bringt gezielt Farbe ins Spiel. Auch die Stahlwangen der Treppen wurden im gleichen prgnanten Farbton lackiert.
Wenig Technik fr einen hheren Nutzerkomfort
Daniel Raiser und sein Architektenteam setzten die Campus-Neubauten ganz im Sinne des einfach Bauen um. Uns und der Stadt Kirchheim/Teck als Bauherrin war eine hohe Gebrauchstauglichkeit wichtig. Daher haben wir uns zum einen fr sehr robuste und dauerhafte Materialien entschieden, zum anderen die technische Gebudeausrstung so simpel wie mglich gehalten, sagt Raiser. So kommt in den Gebuden zum Beispiel keine kontrollierte Lftungsanlage zum Einsatz, sondern eine grozgige Fensterlftung, bei der sich alle Fenster ffnen lassen und leicht von Hand erreichbar sind. Nebeneffekt der pragmatischen Herangehensweise ist, dass das Gesamtbudget von geplanten 27,3 Mio. Euro um ca. 1,5 Mio. Euro unterschritten wird  ohne an der architektonischen Qualitt zu sparen. Die Fassade der Neubauten wurde mit einem Wrmedmmverbundsystem mit Mineralwolle hergestellt und mit einem hochwertigen Besenstrichputz in einem hellgrauen Naturton versehen, der gut altern kann.
Recyclingbeton fr den Campus Rauner
Konsequent setzten a+r Architekten bei den Schulneubauten auf Recyclingbeton  fr die Konstruktion und auch die Sichtbetonoberflchen. Bei kommunalen Bauvorhaben ist dessen Einsatz in Kirchheim/Teck seit 2014 vorgeschrieben. Rund 6.000 Kubikmeter R-Beton wurden fr den Campus Rauner verbaut. Dieser besteht zu rund 30 Prozent aus aufbereitetem mineralischem Bauschutt. Dabei ersetzten 1.800 Kubikmeter Recyclingmaterial den Splitt als Betonzuschlag. So wurde der primre Rohstoff eingespart und auch auf weite Transportwege vom Steinbruch zum Betonwerk verzichtet, was letztlich niedrigere CO2-Emissionen bedeutet.
Das Wichtigste beim Einsatz von rezyklierter Gesteinskrnung ist, dass die Krnung nicht zu grob ist und unter 16 Millimeter liegt. Dann gelingen sehr gute, homogene Oberflchen, erklrt Birgit Spann, Leiterin des Hochbauamts Kirchheim unter Teck. Unser Campus Rauner ist ein schnes Beispiel fr ebenmige Sichtbetonflchen mit R-Beton. Der Beton-Lieferant Holcim arbeitet in Kirchheim unter Teck fr die Herstellung des Recyclingbetons mit der lokalen Firma Heinrich Fee zusammen. Das Unternehmen besitzt ber 60 Jahre Erfahrung im Abbruch und Recycling und ist Deutscher Umweltpreistrger 2016. Es freut uns, dass wir mit dem Einsatz von Recyclingbeton einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zum nachhaltigen Bauen leisten knnen, sagt auch Daniel Raiser von a+r Architekten.
Daten+Fakten
 Projekt: Campus Rauner
 Standort: Limburgstrae 71, 73230 Kirchheim unter Teck
 Bauherr: Stadt Kirchheim unter Teck
 Architektur: a+r Architekten GmbH, Stuttgart und Tbingen, www.ackermann-raff.de
 BGF: 9.850 m
 Wettbewerb: 2014
 Bauzeit: 2016-2021
Fachplaner:
 Projektsteuerung: Ernst Architekten AG
 Bauleitung Hochbau: Wrner Architekten
 Landschaftsarchitektur: Glck Landschaftsarchitektur
 Baugrundgutachter: Institut fr Hydrogeologie, Umweltgeologie, Baugrunduntersuchungen
 Statik, Bauphysik, Brandschutz, HLS, TGA: CSZ Ingenieurconsult GmbH
 Prf-Statik: Sigler Ingenieure Nrtingen
Beauftragte Firmen (Auszug):
 Rohbau/Erdbau: Wolfer & Goebel Bau GmbH
 Fensterbau/Aussentren: Fink Duo GmbH
 Dachabdichtung Klempner: Rossi GmbH
 Schlosser: TRAUSCHKE GmbH
 Tischler/Innentren: Mbel Graf GmbH Schreinerei  Innenausbau
 Elektrotechnik: Elektro Hofecker GmbH & Co. KG
 Fernmeldetechnik: SPEIDEL GmbH

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pr@ackermann-raff.de
www.ackermann-raff.de

1 a+r Architekten setzten die Campus-Neubauten ganz im Sinne des einfach Bauen um. Den Architekten und der Stadt Kirchheim/Teck als Bauherrin war eine hohe Gebrauchstauglichkeit wichtig. Daher fiel die Entscheidung auf robuste sowie dauerhafte Materialien. Foto: Marcus Ebener

2 Die Gesamtkubatur des Campus wurde in mehrere Gebudeteile aufgegliedert, um dadurch besser die Grenverhltnisse der benachbarten Wohnbebauung aufnehmen zu knnen. Foto: Marcus Ebener

3 Bautechnisch und aus nachhaltiger Sicht punkten die klar und stringent entworfenen Neubauten mit einem konsequenten Einsatz von Recyclingbeton. Foto: Marcus Ebener

4 Die beiden jeweils dreigeschossigen Lernhuser sind ber ein einladendes und grozgiges Foyer miteinander verbunden. Foto: Marcus Ebener



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5 Die Architekten haben es so geplant, dass das Foyer von beiden Schulen des Campus auch fr Veranstaltungen, wie etwa Theaterauffhrungen genutzt werden kann. Foto: Marcus Ebener

6 Fr gute Nutzungsbedingungen sorgt im Foyer mit seinem zweigeschossigen Luft- und Galerieraum eine raumakustisch wirksame und hochwertige Holzverkleidung der Decke. Die Gebudestruktur wurde in Stahlbetonskelettbauweise mit tragenden Sttzen und leichten Trennwnden ausgefhrt, so kann die Schule auf sptere Vernderungswnsche reagieren. 
Foto: Marcus Ebener


7 Der Campus Rauner soll ein Ort fr selbstorganisiertes Lernen und Miteinander sein, denn Lernprozesse werden individueller, inklusiver und es findet ein Wandel von der Halbtags- zur Ganztagsschule statt. Schule wird zu einem Ort des aktiven Lernens und Miteinanders fr Schlerinnen und Schler sowie der Lehrkrfte. Foto: Marcus Ebener

8 a+r Architekten haben grundstzlich sehr reduziert mit Farbe und Material im Innenraum gearbeitet. Wo mglich, haben die Planer die Oberflchen natrlich belassen, wie die Sichtbetonwnde und -decken, die Tren aus Eichenholz und die wei lasierten Nadelholzprofile der Holz-Alufenster zeigen. Foto: Marcus Ebener



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9 Der brombeerfarbene Fubodenbelag aus langlebigem Kautschuk bringt gezielt Farbe ins Spiel. Auch die Stahlwangen der Treppen wurden im gleichen prgnanten Farbton lackiert. Foto: Marcus Ebener

10 Lageplan Campus Rauner. Abbildung: a+r Architekten

11 Grundriss Campus Rauner. Abbildung: a+r Architekten



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ber a+r Architekten
a+r Architekten stehen fr eine solide, umweltvertrgliche und zukunftsorientierte Architektur mit einer berzeugenden Expertise im Bereich des nachhaltigen Bauens  auch im Bestand. Das 1985 von Prof. Gerd Ackermann und Prof. Hellmut Raff gegrndete Bro mit Standorten in Stuttgart und Tbingen zhlt rund 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und steht heute unter der Leitung von Prof. Hellmut Raff, Oliver Braun, Florian Gruner, Alexander Lange und Walter Fritz. Vorwiegend bauen a+r Architekten fr ffentliche Auftraggeber, Industrie und Gewerbe, fr kommunale Wohnbauunternehmen sowie fr soziale Einrichtungen. Das Bro konzentriert sich auf eine angemessene, kologische, funktionale und daraus resultierend innovative Bauweise und wurde dafr mit renommierten Preisen ausgezeichnet: in jngster Zeit mit dem AIT-Award 2020, dem DAM Preis 2020, Beispielhaftes Bauen 2020, best architects 2020 sowie Platz 1 beim Competitionline Ranking 2019/20 als erfolgreichstes Wettbewerbsbro im deutschsprachigen Raum.
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